Wer als Kommunikationsprofi auf generative KI verzichtet, wird schnell als Fortschrittsverweigerer abgestempelt. Doch was, wenn gerade die menschliche Autorschaft zum Wettbewerbsvorteil wird?
Früher ist ein Text zwischen Kopf und Tastatur entstanden. Denken und Tippen, Tippen und Denken. Heute wird das Schreiben von kapitalen Industrien belagert. KI-Konzerne wollen uns das Ringen mit dem Wortstoff abluchsen und es monetarisieren. Heerscharen von Beratern preisen ihre maschinellen Workflows an. Man schreibt nicht mehr. Man füttert Systeme mit Kontext und lässt sie Syntax und Tonalität modellieren. Tech hat das Texten gekapert.
Kreative Freiheit
Wer beim Engineering der Geistesarbeit nicht mitmacht, gilt in meinem Metier schnell als bockbeinig. Als jemand, der einem überholten Bild vom Textberuf nachhängt, gefangen in lächerlich romantischen und ineffizienten Vorstellungen inhaltlicher Tätigkeit.
Aber vielleicht sind wir gar nicht gestrig? Vielleicht liegt inzwischen eine große Freiheit im Schreiben unplugged – oder gar ein handfester Wertschöpfungsvorteil?
Autarkie als Marktmodell
Klar, wir können unsere Gedanken und Äußerungen (oder die unserer Auftraggeber) frisieren, indem wir sie einer KI überantworten. Wir können uns aber auch selbstbewusst dagegen entscheiden und unser Schreibverständnis, unsere eigenständige Autorschaft in die Waagschale werfen.
Es ist kein Rückschritt, generative KI auf Abstand halten zu wollen. Nicht irremachen lassen.
Plakatmotive: eingefangen beim German Creative Economy Summit 2026 in Hamburg. (Foto: Nicola Karnick)
Nicola Karnick war angestellte Kommunikationsberaterin und Redenschreiberin und arbeitet heute als freischaffende Autorin und Ghostwriterin in Hamburg. Sie schreibt im Auftrag Dritter aus Wirtschaft, Kultur und Politik – und unter eigenem Namen auf diesem Blog. Ihre Beobachtungen zur Entwicklung von Sprache und Diskursen in Gesellschaft und Arbeitswelt teilt sie auch auf LinkedIn und via Substack.

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