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Fürs Hören schreiben: Das Aussprachewörterbuch Forvo

Wie klingt ein Name, den man noch nie gehört hat? Wer Reden und Audioformate vorbereitet, muss sich gelegentlich mit der Aussprache unbekannter Wörter vertraut machen. Die Community Forvo hilft dabei – und eröffnet nebenbei eine akustische Weltkarte.

Péter Magyar – so heißt der Sieger der jüngsten Parlamentswahlen in Ungarn. Doch wie spricht man seinen Namen eigentlich richtig aus? Diese Frage beschäftigt dieser Tage offenbar viele Menschen. Das zeigte ein Blick auf die Startseite der kollaborativen Phonetik-Datenbank Forvo: Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels rangiert „Magyar“ dort an erster Stelle der meistgesuchten Wörter.

Millionen kostenfreie Sprechproben

Wem Forvo kein Begriff ist: Die Plattform versammelt nach eigenen Angaben über 6 Millionen Sprechproben aus fast 400 Sprachen. Die Recherche ist kostenlos und denkbar unkompliziert. Einfach ein Wort in die Suchmaske eingeben – und hören, wie es aus dem Mund eines Muttersprachlers klingt.

Forvo ist nützlich, wann immer mündliche Kommunikation vorbereitet werden muss. Entdeckt habe ich das akustische Crowd-Wörterbuch beim Redenschreiben für eine Politikerin. Im Manuskript sollte sie auf eine mir unbekannte historische Persönlichkeit aus der Wissenschaft zu sprechen kommen. Auf die Aussprache des skandinavischen Namens konnte mein inneres Ohr sich partout keinen Reim machen.

Authentische Audiofassung

Weil man sich beim Schreiben von Sprechtexten aber auch in den Rhythmus einzelner Wörter einfühlen muss, ging ich der Sache nach – und wurde bei Forvo fündig. Der Name, den ich noch nie gehört hatte, hatte nun einen Klang.

Seitdem gehört das Aussprachewörterbuch zu meinem „Nähzeug“ als Redenschreiberin. Tauchen im Stoff fremdsprachige Orts- oder Eigennamen auf, die nicht nur bei mir, sondern womöglich auch beim Vortragenden Unsicherheit hervorrufen könnten, binde ich einen Forvo-Link in das Redemanuskript ein. Eine diskrete Artikulationshilfe, die gerne angenommen wird.

Interkulturelle Gemeinschaft

Mit Sicherheit gibt es inzwischen KI-Anwendungen, die Vergleichbares bieten. Synthetische Sprache ist längst keine Hürde mehr, und der Sound eines Wortes dürfte sich problemlos maschinell imitieren lassen.

Trotzdem empfehle ich weiterhin gerne Forvo. Die Nutzeroberfläche wirkt zwar etwas in die Jahre gekommen. Aber mir gefällt der Community-Gedanke der Plattform, der auch ein kultureller Gegenentwurf zur KI ist: Echte Menschen rund um den Globus schenken der interessierten Öffentlichkeit selbst gesprochene Klangbeispiele ihrer Sprache – und lösen so manch kleine Verlegenheit auf.

Was für eine rundherum sympathische Idee.


Arbeiten Sie als Redenschreiber, Pressesprecherin, Podcast-Host oder Moderatorin? Forvo ist nicht nur eine smarte Ressource für alle, die beruflich mit gesprochener Kommunikation zu tun haben. Die Plattform ist auch eine wunderbare Spielwiese, um den Sprachkosmos in seiner enormen Klangvielfalt zu erkunden. Bonus-Tipp: Hören Sie sich auf Forvo unbedingt das Wort „Kuddelmuddel“ im (hinreißenden) luxemburgischen Idiom an. 

Beitragsmotiv: Turmbau zu Babel, Pieter Bruegel der Ältere (1525 -1569), via Wikimedia Commons


Dieser Beitrag erschien in einer kürzeren Fassung zunächst auf LinkedIn.


Nicola Karnick war angestellte Kommunikationsberaterin und Redenschreiberin und arbeitet heute als freischaffende Autorin und Ghostwriterin in Hamburg. Sie schreibt im Auftrag Dritter aus Wirtschaft, Kultur und Politik – und unter eigenem Namen auf diesem Blog. Ihre Beobachtungen zur Entwicklung von Sprache und Diskursen in Gesellschaft und Arbeitswelt teilt sie auch auf LinkedIn und via Substack.


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