Schlechte Automaten-Texte sind eine Plage. Gerade Kommunikationsprofis sollten dem Niveauverfall die Stirn bieten. Ein Plädoyer für mehr „Schreiben unplugged“.
Die Mühen des Schreibens auf die KI abzuwälzen, mag für manche eine Offenbarung sein. Es kann aber auch trostlos enden, wie an einer bestimmten Sorte von Texten zu beobachten ist, die neuerdings die Plattform LinkedIn und andere Social-Media-Kanäle besiedeln. Beiträge mit seltsam gleichförmigen Satzmustern, mit einem Vokabular ohne Ecken und Kanten. Oder solche mit magerem Gehalt, aber reichlich Schwulst.
Wie sollen wir damit umgehen? Diese Frage beschäftigt viele, die das Texten und Schreiben von Berufs wegen mit Können und Ideenliebe betreiben.
Inflation der Seichtigkeit
KI ist mitten in unser Handwerk gegrätscht. Und es tut weh, mitansehen zu müssen, was die Technologie anrichtet, wenn sie von unbedarften Geistern bedient wird: Mittelmaß und Belanglosigkeit im Überfluss.
Aber, und das ist die gute Nachricht: Wir besitzen etwas, das die Kränkung in eine kreative Kraft verwandeln kann. Es ist unsere ganz eigene, unverwechselbare Art, über die Dinge des Lebens und Arbeitens nachzudenken und über sie zu schreiben. Die kann uns niemand nehmen. Sie ist und bleibt jederzeit und überall verfügbar. Auch wenn generative KI morgen in die Knie gehen würde.
In Oppostion zu den Maschinen
Ich finde, dass wir wieder viel häufiger mit dieser Form des emanzipierten Schreibens in Erscheinung treten sollten. Ich halte es auch für wichtig, die Unzulänglichkeiten der KI öffentlich aufs Korn zu nehmen. Oder besser gesagt: den Verlust an Niveau, der mit ihrer leichtfertigen, unkritischen Nutzung einhergeht.
Es geht mir nicht um pauschales KI-Shaming. Sondern ich möchte dafür werben, dass Kommunikationsprofis den schlechten Maschinen-Texten das Bessere entgegensetzen. Ich plädiere dafür, dass wir das Schreiben mit persönlicher Note weiterhin sehr bewusst pflegen und würdigen und miteinander teilen. Ich glaube daran, dass dieser Anschauungsunterricht uns allen dient.
Mehr Distanz und Ironie
Denn wenn das Publikum nur noch KI-Auswürfe zu Gesicht bekommt: Wer weiß dann noch, wie Texte sich anfühlen, die erdacht und nicht berechnet wurden? Oder was eine Sprache vermag, die aus dem Vollen schöpft und Wörter aus dem statistischen Abseits holt?
Wenn KI die Individualtechnik des Schreibens nicht verschlingen soll, müssen wir uns darin trainieren, Texte gegen den Strich der Algorithmen zu bürsten. Mehr ironische Distanz im Spiel mit den Maschinen täte ebenfalls gut. Gerade auch auf den Business-Marktplätzen. Nur Mut.
Bebilderung: „Maria Magdalena“, Jan van Scorel, ca. 1530, Rijksmuseum Amsterdam
Nicola Karnick war angestellte Kommunikationsberaterin und Redenschreiberin und arbeitet heute als freischaffende Autorin und Ghostwriterin in Hamburg. Sie schreibt im Auftrag Dritter aus Wirtschaft, Kultur und Politik – und unter eigenem Namen auf diesem Blog. Ihre Beobachtungen zur Entwicklung von Sprache und Diskursen in Gesellschaft und Arbeitswelt teilt sie auch auf LinkedIn und via Substack.

[…] Das ist nun allerdings keine Faust- oder gar Zauberformel, sondern ein Arbeitsprogramm. Aber ein bloßes Anpassungsprogramm ist es nicht: Bei solcher Stilarbeit wird jede:r, die zum Beispiel das für ihr Gefühl treffendste Wort sucht, ihre eigene Stimme finden. 93 In diesem Sinn formulieren Langer & Co., neben „Achtung/Rücksichtnahme“ und „Einfühlung“ sei ein wesentlicher Aspekt „personzentrierten“ Schreibens „Aufrichtigkeit, Klärung eigener Gedanken/Gefühle und Selbstöffnung gegenüber anderen.“ 94 Das Ergebnis wird nicht nur verständlich, sondern auch attraktiver sein als KI-produzierte „Beiträge mit seltsam gleichförmigen Satzmustern, mit einem Vokabular ohne Ecken und Kanten.“ (Nicola Karnick). […]