Die Sprache vieler Unternehmen neigt zur Vorsicht. Ihr hervorstechendes Merkmal ist die Unauffälligkeit. Der risikoarme Stil hat System: Worthülsen bieten wenig Angriffsfläche. Warum wir dennoch dagegen anschreiben sollten.
Phrasen, die sich in der Organisation festgesetzt haben wie Seepocken an einem Schiffsrumpf. Jeder kennt sie, in jedem Unternehmen gibt es sie. Die Verkrustungen aus nichtssagender Sprache befallen interne Formate, aber auch die Außenkommunikation.
Es ist Sisyphusarbeit, das Zeug loszukriegen. Kaum hat man einen Text davon befreit, taucht es im nächsten wieder auf. Das liegt nicht nur an der Macht der Gewohnheit. Häufig dienen die Plattitüden als Schutzpanzer. Sie werden angelegt, sobald das Schreiben und Sprechen den verletzlichen Kern des Unternehmens berührt: seine geschäftliche Konstitution, die Mühen der Transformation, das Lavieren durch eine politisch unberechenbare Gegenwart. Hier sprachlich bloß nicht zu viel riskieren, schwieriges Terrain.
Weg des geringsten Widerstands
Werden erstarrte Ausdrucksweisen hinterfragt, wird das oft als lästig empfunden. Es stört den sprachlichen Betriebsablauf. Schließlich greift auch in der Kommunikationsarbeit die Effizienzlogik: Je unauffälliger das Vokabular, desto schneller wird es in den Abstimmungsrunden durchgewunken. Gegen die Erwartung formulieren? Lieber nicht. Das verursacht nur Reibung. Vorauseilende Resignation hält so manchen Text klein.
Lohnt es sich trotzdem, formelhafte Unternehmenssprache zu kritisieren? Und immer wieder Gegenvorschläge anzubieten? Aber ja. Einen Sachverhalt in andere als die üblichen Worte zu kleiden, kann etwas in Gang setzen: im besten Fall einen tiefgründigeren Austausch darüber, was in der momentanen Situation überhaupt transportiert werden soll. Oder auch darüber, mit welcher Attitüde das Unternehmen sich Gehör verschaffen will.
Sprache als Gewinn- und Verlustrechnung
Plötzlich bricht etwas auf: Hilft die herkömmliche Kernbotschaft an dieser Stelle wirklich weiter? Oder hat sie sich durch übermäßigen Gebrauch abgenutzt? Ist eine zu Floskeln geronnene Sprache eigentlich mit unseren Werten vereinbar? Oder sollten wir weniger austauschbar klingen? Was könnten wir gewinnen mit einer veränderten Ansprache? Bringt uns eine mutigere Wortwahl womöglich eher ans Kommunikationsziel?
Solche Überlegungen zu provozieren, ist wertvoll. Es zwingt zum Einfühlen in die Bedürfnisse auf Empfängerseite und damit zu mehr Genauigkeit beim Senden. Und nicht nur das. Es schärft auch das Bewusstsein für die Vielfalt sprachlicher Möglichkeiten. Ein unternehmerisches Anliegen kann so erzählt werden, oder völlig anders. Wer anfängt, über Wörter und ihre Ausstrahlung nachzudenken, entdeckt die Sprache neu. Mit ihrem Reichtum an Nuancen ist sie das Patentwerkzeug der Kommunikation: filigran und ungemein wirkmächtig.
Stillleben: Jacques Linard (1597–1645) via Wikimedia Commons
Nicola Karnick war angestellte Kommunikationsberaterin und Redenschreiberin und arbeitet heute als freischaffende Autorin und Ghostwriterin in Hamburg. Sie schreibt im Auftrag Dritter aus Wirtschaft, Kultur und Politik – und unter eigenem Namen auf diesem Blog. Ihre Beobachtungen zur Entwicklung von Sprache und Diskursen in Gesellschaft und Arbeitswelt teilt sie auch auf LinkedIn und via Substack.

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