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Managementsprache: Das nutzlose Wort „konsequent“

Die Unternehmensrhetorik liebt Wörter, die Entschlossenheit versprechen. Manche dieser Vokabeln sind durch wahllosen Gebrauch längst stumpf geworden. Das Adjektiv „konsequent“ gehört dazu. Es gaukelt Führungsstärke vor, ohne Beweise des Zupackens zu liefern.  

Das Wort „konsequent“ gehört zu den unausrottbaren Vokabeln im Management-Jargon. Es soll zeigen, dass jemand mit einer bestimmten Attitüde unterwegs ist: energisch und zielorientiert, keine Nachlässigkeit duldend. Halt so, wie man es gemeinhin von einer Führungsperson erwartet.

Ein bevorzugtes Habitat für „konsequent“ sind Bilanz- und Rechenschaftsformate. Zu besichtigen ist das in den Manuskripten der kürzlich beendeten Hauptversammlungs-Saison. Die CEOs aus dem DAX40 gaben auch in diesem Jahr wieder zuverlässig Sätze wie diese von sich:

„Wir steuern unser Kapital konsequent dorthin, wo es sich nachhaltig rechnet.“

„Wir haben klare Prioritäten, die unsere Teams konsequent umsetzen.“

„Wir richten unser Produktionsnetz konsequent an den Marktrealitäten aus.“

Steuern, umsetzen, ausrichten allein reicht nicht. Nein, es muss unbedingt „konsequent“ geschehen.

Modern Talking: Warum nur ist „konsequent“ so beliebt?

Auch in der internen Kommunikation floriert das Wort. Appelle der Chefetage an die Mitarbeitenden sind voll davon. Da werden Wege gegangen und Chancen ergriffen, was das Zeug hält – und das natürlich immer „konsequent“.

Aber warum? Kaum eine Botschaft wird glaubwürdiger oder mitreißender, weil sie „konsequent“ enthält. Damit angereicherte Sätze wollen nach Disziplin und Leistungskultur klingen. Doch sie wirken müde, abgestanden und einfallslos; hingeschrieben ohne Bemühen und Esprit.

Zu allem Überfluss infiziert das Wort seine Umgebung. Wo „konsequent“ sich breitmacht, sind andere Nullnummern der Managementrhetorik nicht weit. „Konsequent an Lösungen arbeiten“ ist eines dieser sprachlichen Zwangspaare. So blutleer und nichtssagend, dass es rein gar nichts mehr auslöst, außer vielleicht Augenrollen.

Inkonsequenz wagen: Es geht auch ohne die sprachliche Krücke

Wenn Sie partout nicht lassen wollen von „konsequent“, dann speisen Sie Ihr Publikum aber bitte nicht mit der bloßen Behauptung ab. Knien Sie sich inhaltlich rein. Machen Sie begreifbar, woran sich die Konsequenz festmacht, von der Sie reden. Wodurch zeichnet sich Ihre unternehmerische Handlung oder Entscheidung aus, dass sie das Etikett „konsequent“ verdient?

Sie scheitern an diesem Prüfstein? Gratulation. Lassen Sie das Wort weg. Niemand wird es vermissen, im Gegenteil. Die Empfänger Ihrer Sendung danken es Ihnen, wenn Sie sie mit hohlen Imponiervokabeln verschonen.


Beitragsmotiv: Édouard Manet: Die Pflaume (um 1878), via Wikimedia Commons (bearbeitet mithilfe von KI)


Nicola Karnick war angestellte Kommunikationsberaterin und Redenschreiberin und arbeitet heute als freischaffende Autorin und Ghostwriterin in Hamburg. Sie schreibt im Auftrag Dritter aus Wirtschaft, Kultur und Politik – und unter eigenem Namen auf diesem Blog. Ihre Beobachtungen zur Entwicklung von Sprache und Diskursen in Gesellschaft und Arbeitswelt teilt sie auch auf LinkedIn und via Substack.


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